31 Dezember 2013

*Rezension* Harry Potter And The Philosopher's Stone von J.K. Rowling

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Inhalt


Harry Potter hatte in den zehn Jahren seines Lebens nicht gerade viel Glück: Als er ein Jahr alt war, starben seine Eltern. Seitdem lebt der Junge bei seinen furchtbaren Verwandten, den Dursleys, und schläft in der Besenkammer unter der Treppe. Während Cousin Dudley jeder Wunsch von den Augen abgelesen wird, muss Harry dessen abgelegte Klamotten auftragen und wird auch sonst behandelt wie eine männliche Version von Aschenputtel. Bis Harry an seinem elften Geburtstag erfährt, dass er eigentlich ein Zauberer ist und ab sofort die Hogwarts School of Witchcraft and Wizardry besuchen darf. Ab sofort wird alles besser: Harry findet in Hogwarts Freunde, erwachsene Bezugspersonen und ein richtiges Zuhause. Wenn da nur nicht dieses Ekelpaket namens Draco Malfoy und dieser furchtbare Lehrer Snape wären, die Harry Leben schwer machen – und der längst totgeglaubte Lord Voldemort, der Harry Eltern umbrachte, den kleinen Jungen aber nicht töten konnte, ist ebenfalls nicht ganz so verschollen, wie gedacht...

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Kurz vor Ende des Jahres fehlte mir noch genau ein Buch, um Milas „100 Bücher“-Challenge abzuschließen. Entschlossen habe ich mich zu einem Re-Read des ersten Harry Potter-Bandes. Weil ich das Buch schon ewig nicht mehr gelesen habe, weil mir zum Jahresende nach ein wenig Magie zumute ist – und weil Harry einfach fetzt. Jetzt, nachdem die ganze Geschichte ja nun hinlänglich bekannt ist, merkt man beim Lesen des ersten Bandes umso mehr, wie kindgerecht und verspielt das Büchlein doch noch geschrieben ist. Ihre feine Ironie und ihren unglaublichen Sinn für Kreativität bewies Joanne K. Rowling aber schon in ihrem Debütroman. All diese großartigen kleinen Details, wie zum Beispiel die sich bewegenden Bilder und Fotos, das Zaubererschachspiel, die Zaubersprüche und Kreaturen, die großartigen Lieder und Reime, der Zauberhut... hach, das Buch ist einfach nur zauberhaft (pun intended). Was ihre Charaktere angeht, greift Rowling auf Typen zurück, die wohl jeder Mensch aus seinem eigenen Leben kennt: Dudley, das fiese, verwöhnte Ekelpaket, Hermine, die etwas hochnäsige Streberin, die aber im Grunde ein Herz aus Gold hat, die Weasley-Zwillinge, die nur Unfug und Flausen im Kopf haben, Harry, ein unsicherer Außenseiter, der in der Zauberwelt endlich sein Glück findet, Dumbledore, das große Vorbild, zu dem man aufblickt. Umso einfacher findet man sich als Leser in Hogwarts zurecht und um so lieber kehrt man mit jedem Band in diese fantastische Fantasiewelt zurück, die der unseren in vielen Dingen so ähnlich ist. Von all den religiösen, sagenhaften, historischen und linguistischen Anspielungen, die Rowling in ihren „Kinderbüchern“ verbastelt, will ich gar nicht erst anfangen, denn dann würde ich hier immer noch sitzen, wenn um Mitternacht das Silvesterfeuerwerk losknallt. Ganz wichtig sind die Themen Freundschaft, Familie, Gut und Böse, wobei schon im ersten Band der Reihe deutlich wird, dass man zwischen Schwarz und Weiß nicht immer so einfach trennen kann. Nicht zu vergessen: Abseits der bezaubernden Schreibe der Autorin ist Harry Potter And The Philosopher's Stone auch noch eine richtig spannende Geschichte mit einem Handlungsbogen, der mich (zumindest beim ersten Lesen) doch ziemlich überrascht hat. Da denkt man die ganze Zeit, man weiß, wer der Schurke ist, und dann liegt man doch vollkommen daneben. ;-)

Magische fünf von fünf Zebras

22 Dezember 2013

Rezension: Charlie and the Chocolate Factory von Roald Dahl

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Der kleine Charlie Bucket lebt mit seinen Eltern und beiden Großelternpaaren in extrem ärmlichen Verhältnissen in einer kleinen Hütte am Stadtrand. Essen und Geld sind knapp, und als Charlies Vater auch noch seinen Job in einer Zahnpastafabrik verliert und lediglich ein wenig mit Schneeschippen in einem eiskalten Winter dazuverdient, ist guter Rat teuer. In unmittelbarer Nähe steht die legendäre Schokoladenfabrik von Willy Wonka, um die sich unzählige Gerüchte ranken. Jeden Tag bleibt Charlie an den Toren stehen und schnuppert den betörenden Duft von Süßigkeiten. Kurz vor Charlies Geburtstag gibt Mister Wonka bekannt, dass er in seinen Schokoriegeln fünf goldene Tickets versteckt, deren Finder nicht nur eine Führung durch die sagenumwobene Schokoladenfabrik, sondern auch so viele Süßigkeiten bekommen, dass sie für den Rest ihres Lebens keine mehr kaufen müssen. Man ahnt es schon: Die Schokoladentafel, die Charlie vom schwer abgesparten Geld seiner Familie zum Geburtstag bekommt, enthält kein solches Ticket. Nach und nach werden die glücklichen Finder der anderen goldenen Karten bekanntgegeben: Allesamt missratende Drecksblagen, wie man hier im Ruhrpott sagen würde. Dann aber findet der halb verhungerte Charlie etwas Geld auf der Straße, kauf sich zwei Schokotafeln – und natürlich enthält eine das letzte Ticket. Einen Tag später dürfen Charlie und sein Opa Joe an einer sehr wunderlichen und nicht ganz ungefährlichen Führung, geleitet von Mister Wonka höchstpersönlich, teilnehmen...

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Was im ersten Moment wirkt wie eine ganz niedliche Kindergeschichte, bekommt, wie man es bei Herrn Dahl schon gewohnt ist, einen ziemlich schwarzhumorigen und makaberen Touch, da die wirklich grauenhaft arroganten, naseweisen, verzogenen Kids einfach nicht auf Willy Wonkas Ratschläge hören wollen und dementsprechend die Quittung dafür bekommen. Ohne zu viel verraten zu wollen: Die Moral von der Geschicht – und hier war ich doch ein wenig vom klassisch erhobenen Zeigefinger des Autors verwundert - „missachte gute Erwachsenen-Ratschläge nicht“. Der Zeigefinger geht allerdings nicht nur an die minderjährigen Monster in Charlies „Reisegruppe“, sondern vor allem auch an ihre Eltern, die den Nachwuchs ordentlich verzogen haben. Fernsehen ist pfui, Kaugummikauen ist pfui, Egoismus und Habsucht sind pfui, zu viele Süßigkeiten sind ebenfalls pfui... naja, ihr versteht schon, worauf der Autor hinauswill. Großartig verpackt hat Dahl seine Message aber wie gewohnt durch fantasiereichen, feinsinnigen, aber dennoch bitterbösen Humor. Besonders schön sind in diese Zusammenhang die Lieder der Oompa Loompas, winzig kleiner Ureinwohner, die in der Fabrik arbeiten und die teilweise durchaus dramatischen Geschehnisse des Rundgangs in ihren selbstgedichteten Songs kommentieren, ohne dabei ein Blatt vor den Mund zu nehmen. Im Nachhinein erinnern mich die witzigen Typen übrigens stark an die Minions in „Despicable Me“, aber das nur am Rande. In allerschönster Horrorfilm-Manier werden die Teilnehmer der Führung immer weniger, aber im Gegensatz zu Tim Burtons großartig umgesetzter Kinoversion mit Johnny Depp hat Dahl dann doch ein Einsehen und lässt seine kleinen Leser nicht mit Albträumen zurück, weil sie nicht erfahren, was mit den verschwundenen Kindern geschehen ist. Gerade schön ist seine Auflösung allerdings auch nicht, also merkt euch, liebe Kinder, seid immer brav und folgsam, dann werdet ihr auch nicht zu einer Blaubeere oder endet um ein Haar im Müllschlucker. Kleiner Tipp am Rande: Lest dieses Buch auf keinen Fall, wenn ihr gerade eine Diät macht – überall wimmelt es vor köstlich schokoladigen Beschreibungen!

Vier von fünf Zebras

17 Dezember 2013

Rezension zu Vicky Angel von Jacqueline Wilson

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Vicky und Jade sind schon seit dem Kindergarten beste Freundinnen. Daran hat sich auch mit 15 nichts geändert, die beiden gibt es immer nur im Doppelpack. Viel hat die ruhige Jade zwar nicht zu melden – immer ist es die selbstbewusste, beliebte Vicky, die den Ton angibt – aber damit kommt das Mädchen klar. Als Vicky jedoch nicht gemeinsam mit Jade, die die Schauspielerei liebt, gemeinsam die Theater-AG besuchen will und diese stattdessen durch den Dreck zieht, kommt es erstmals zu einem ernsthaften Streit. Vicky ist beleidigt und stürmt wutentbrannt davon – direkt vor ein fahrendes Auto. Kurze Zeit später ist Vicky tot. Aber das hindert sie kein bisschen daran, Jade auch weiterhin zu begleiten – als Geist, den nur das andere Mädchen sehen kann.

Mein Senf zum Dazugeben:


Nachdem Mila das Buch erst kürzlich besprochen hat, machte es in meinem Hinterstübchen klick: Die Beschreibung kannte ich bereits und wollte „Vicky Angel“ auch unbedingt mal antesten, aber wie das eben so ist, verschwand der Vorsatz im großen grauen „So viele Bücher, so wenig Zeit“-Nebel. Kindle sei dank, befand sich das gute Stück aber Momente nach dem Blogbesuch bei Mila schon auf meine Reader – und kaum zwei Tage später war das ca. 160 Seiten starke Büchlein auch schon durchgelesen. Das quietschbunte Cover mit der verspielten Schrift lässt auf ein Kinderbuch schließen. Hinter der bonbonsüßen Verpackung lauert allerdings eine ziemlich bittere Pille. Empfehlen würde ich die Lektüre frühestens im Jugendalter. Vicky ist nach ihrem Tod nämlich kein freundlicher Geist, sondern sogar noch herrischer, dominanter, intoleranter, zickiger und gemeiner als sie es unter den Lebenden ohnehin schon war. Sie lässt nicht zu, dass Jade andere Freunde findet, hält sie vom Lernen ab, zwingt ihr ihren Willen auf, macht ihr permanent ein schlechtes Gewissen und pflanzt ihr sogar Selbstmordgedanken in den Kopf, damit sie als Geist nicht so allein ist. Schließlich ist Jade so elend, ausgezehrt und ein Schatten ihrer selbst, dass man sich fragt, wer hier eigentlich der Geist ist. Das Thema Tod eines geliebten Menschen ist ja ohnehin schon harter Tobak für ein junges Gemüt, bei Jacqueline Wilson kommen aber noch schwierige Familienverhältnisse, Ehebruch, Depressionen und vieles mehr dazu. Der flapsige Humor, die Jugendsprache und Vickys freche Zunge täuschen nicht über die ziemlich tiefgehenden Themen des Buchs hinweg. Vor allem ist „Vicky Angel“ die Geschichte von Jades hartem Kampf, sich von ihrer übermächtigen toten Freundin zu emanzipieren, einen eigenen Willen und eine eigene Persönlichkeit zu entwickeln und ihre Schuldgefühle an Vickys Tod zu überwinden. Ob Vicky nun wirklich als Geist wie ein Damoklesschwert über Jade schwebt, oder ob sie vor lauter Trauer und Gewissensbissen im wahrsten Sinne des Wortes Gespenster sieht, ist kaum auszumachen und meiner Meinung nach reine Interpretationssache. Nachdem es so aussieht als würde Vicky Jades Leben vollkommen an sich reißen, überrascht der Roman mit einer Art Happy End, das zwar etwas abrupt kommt, der gequälten Jade aber von Herzen zu gönnen ist.

Ein sehr bewegender, zum Nachdenken anregender Roman über Tod, Freundschaft und Selbstfindung, der auch ein dem Teenie-Alter lange entwachsenes Streifenzebra sehr ins Grübeln bringt.

Vier von fünf Zebras